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Philosophie

Die Stiftung ist 1968 von Dr. Hans und Trudy Jenny mit dem Anliegen gegründet worden, einen Beitrag zu leisten zur Erhaltung und Weiterentwicklung der abendländischen Ethik und Kultur. Im Mittelpunkt stehen dabei die Freiheit und Würde des Menschen und die Leitwerte und Traditionen, die das persönliche Engagement für Mitwelt, Umwelt und Nachwelt unterstützen und fördern. Der Stiftungsrat verwirklicht diese Anliegen, indem er die Aktivitäten der Stiftung auch in einer Zeit des raschen Wandels unabhängig von Modeströmungen und oft auch gegen den jeweils vorherrschenden Zeitgeist am Ziel der Stiftung ausrichtet.
 
Wenn wir uns um abendländische Ethik und Kultur bemühen, so geschieht dies nicht in einer Abgrenzung zu nicht-abendländischen, z.B. morgenländischen Werten im Gegenteil: Im Mittelpunkt steht der Respekt vor dem Mitmenschen, vor seinem Anspruch auf Leben in Freiheit und Verantwortung im Rahmen der Gemeinschaft. Dieser Respekt macht vor keinen Grenzen halt. Auch der Kreis der Preisträger zeugt von der Weite des Denkens und Handelns der STAB-Verantwortlichen seit der Gründung.
 
Die grösste Errungenschaft der europäischen Geschichte ist die Bereitschaft, sich Andersdenkenden in einem offenen Dialog zu stellen. Diese Toleranz ermöglicht ein Miteinander, Nebeneinander und Gegeneinander von Gesichtspunkten und Argumenten, welche in einem offenen Wettbewerb das Wahre und das sich Bewährende immer wieder neu suchen.
 
Toleranz ist aber kein Selbstzweck, und sie soll auch nicht zu einer beliebigen Bekenntnislosigkeit führen, die den Mut nicht mehr aufbringt, sich von totalitären, kollektivistischen, lebens- und freiheitsfeindlichen Ideologien abzugrenzen. Die Bereitschaft, in Freiheit Verantwortung zu übernehmen für das eigene Tun und Unterlassen und für Mitmenschen, die auf uns angewiesen sind, wurzelt in einem Bekenntnis, welches das Individuum nicht als letzte Instanz betrachtet und die Welt in einem grösseren geistigen Zusammenhang deutet. Die Besinnung auf die abendländischen Ethik und Kultur kann und soll aber im Rahmen der Stiftung unabhängig von religiösen, konfessionellen und parteipolitischen Bindungen erfolgen.
 
Kultur bedeutet zunächst das achtsame Hegen und Pflegen der Natur, die dadurch zu einem Garten, zu einem Acker oder zu einer gemeinsamen Weide wird, die im Interesse künftiger Generationen ein nachhaltiges Bewirtschaften erfordert. Das bebaute Land steht seit je in einem Spannungsverhältnis zum überbauten Land, in dem der Tempel, die Kirche, der Sitz der Regierung, der Markt, die Schule, das Theater und das Konzerthaus ihren eigenen Platz haben und durch Zusammenwirken eine kulturelle Blüte ermöglichen. Diesen abgegrenzten, umsorgten Bereich gab es schon in der altgriechischen Polis und er hat sich über zweieinhalbtausend Jahre von Athen aus über Rom, Byzanz, Madrid, Paris, London, Berlin und auch New York zu dem entwickelt, was man abendländische Kultur nennt. Die kulturelle Vielfalt braucht beides: Freiheit nach innen und Offenheit gegenüber neuen Impulsen. Abendländische Kultur ist so gesehen kein Rezeptbuch mit klaren Hinweisen, welche Einzelentscheidung richtig und welche falsch sei, sondern vielmehr eine über Jahrtausende gewachsene Haltung der Achtsamkeit gegenüber jedem Wesen, jedem Gegenstand, jedem Thema. Ethik und Kultur verstehen wir nicht als Kanon von Glaubenssätzen, sondern als Einladung zum Dialog in gegenseitigem Respekt.